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Willkommen zu Hause (?)

Es ist schwer zu beschreiben wie es mir gerade geht. Ich hatte gedacht, sobald ich mit der Maschine auf deutschen Boden aufsetzte geht das mit den Tränen wieder los. Aber dem war nicht so. Erst als ich 2 tage später in meinem zimmer stand, dass meine Eltern während meiner Abwesenheit renoviert haben, und ein indisches Lied (tum hi ho) angemacht hatte, da musste ich dann ganz ohne Vorwarnung anfangen zu weinen 😦 aber abgesehen davon geht’s mir gut!
Und dann fing natürlich auch der doofe deutsche Stress an. Bewerbungen für die Uni schreiben. Am Freitag, also morgen muss ich die zehn Bewerbungen für zehn weit entfernte Städte in den Briefkasten werfen. Danach setze ich Mich dann an einen ausführlichen Abschlussbericht. Vielleicht füge ich zusätzlich zu unendlich vielen Fotos auch noch das ein oder andere Video ein 😉
Jetzt gehe ich erst mal ins FitnessStudio. Obwohl die Bilanz des Jahres bei minus 3 Kilo liegt 😀

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Alles endet wie es beginnt. Mit Tränen.

Das erste was ich in Indien getan habe, war zu weinen. Und ich habe noch viele weitere Male geweint. Als ich nicht mehr umkehren konnte, als Freunde mich verraten, als Dinge ihren Schein aufgaben, als meine Liebe nicht hält, als die neue Liebe nicht wahr ist, als ich allein war, als man mir weh tat, als ich Hilfe brauchte, als alles schief ging, beim skypen mit einem Freund in Deutschland und besonders beim Gedanken an meine Mutter. Ich bin zusammengebrochen, und dachte ich zerbreche dabei. Aber ich bin aufgestanden. Niemand wird mein Jahr jemals nachempfinden können, es gibt Dinge, die ich für immer für mich behalten werde. Es beinhaltet beides, die schlimmsten und die schönsten Erinnerungen meines bisherigen Lebens.

Ich habe gelernt. Ich habe gelernt zu misstrauen, und mich selbst zu mögen. Ich habe gelernt wieder aufzustehen und zu tun was gut für mich ist. Ich habe gelernt gute Freunde zu finden, und die schlechten zu meiden. Ich habe gelernt schon vor der Ankunft Abschied zu nehmen. Ich habe gelernt die kleinen Dinge zu schätzen. Ich habe gelernt zufrieden zu sein. Ich habe gelernt meine Tränen zurückzuhalten und zu verstecken. Ich habe gelernt zu tun was ich tun muss. Ich kann mit Verrat umgehen, genauso wie mit Enttäuschungen. Ich weiß jetzt, was Respekt heißt, und auch, dass die Menschen es hier größtenteils missverstehen. Ich habe gelernt mich unsichtbar zu machen und Verantwortung zu übernehmen. Ich habe gelernt zu fallen. Ich habe gelernt mich zu fangen und meine eigenen Schwächen zu überwinden. Ich habe gelernt zu leben, und Leben zu geben. Denn Freude ist Leben. Ich habe gelernt zu lachen und zu vergessen. Ich habe gelernt mich zu erinnern und zu teilen, was ich denke. Ich habe gelernt meinen Mund zu halten. Ich habe gelernt dass wir alle gleich sind und dass wir alle unterschiedlich sind. Ich habe gelernt, aus allem was ich tue zu lernen. Im Leben muss man Risiken eingehen, Fehler machen und Niederlagen erleben, ohne von seinem Traum abzukommen. Ich habe gelernt meinen Weg zu erkennen, für ihn zu kämpfen und zu ihm zu stehen. Ich kann jede Angst überwinden, denn ich bin stark.

Ich habe gelacht. Ich habe mich etwas getraut. Ich habe Elefanten gesehen. Ich habe mich verliebt. Ich habe Müll gesehen, ich habe tote Tiere gesehen. Ich habe Menschen gesehen, die ihr Geschäft ungeniert am Strßenrand verrichten. Ich habe mich verarschen lassen. Ich habe Dinge verloren. Ich habe Affen gesehen. Ich habe Leben verändert. Ich habe Lächeln gezaubert. Ich habe Indien gerochen. Ich bin Rikkshah gefahren. Ich habe Sternschnuppen gesehen. Ich habe Lagerfeuer am Strand gemacht. Ich habe getanzt. Ich habe gesungen. Ich habe gespielt. Ich habe gelesen. Ich habe gesprochen. Ich habe gestritten. Ich habe Schlangen gesehen. Ich habe Grün gesehen. Ich bin Auto gefhren. Ich habe Pizza gegessen. Ich habe gekocht. Ich habe Wassermelonen geflückt. Ich war in einem Regenwasserspeicher schwimmen. Ich habe neue Menschen kennengelernt. Ich bin gereist. Ich habe teuren Wein getrunken. Ich bin Motorrad gefahren. Ich hatte Geldsorgen. Ich war im Urlaub mit Lisa. Ich habe Menschen im Stich gelassen. Ich wurde im Stich gelassen. Ich bin aufgewacht. Ich bin einen Schritt zurück gegangen. Ich war glücklich. Ich habe gefroren. Ich wurde von Blutegeln attakiert. Ich habe Tigerkotze gesehen. Ich habe Tee getrunken. Ich wurde geliebt. Ich habe geliebt. Ich bin wandern gegangen. Ich habe mich aufgeregt. Ich stand an einem Abrund. Ich hatte keine Angst. Ich habe aufgebaut und Mut gemacht. Ich war begeistert. Ich habe Bisons gesehen. Ich habe Chamälions gesehen. Ich war nachts am Strand. Ich stand vor verschlossenen Türen. Ich habe Menschen geweckt. Ich habe gegessen. Ich habe geteilt. Ich habe das Unbekannte zum Freund gewonnen. Ich habe mein Misstrauen fallen lassen. Ich habe gute Entscheidungen getroffen. Ich habe mir etwas gegönnt. Ich bin immernoch ich. Ich habe Ängste besiegt. Ich habe nachgedacht. Ich habe Kranwasser getrunken. Ich habe Straßenessen gegessen. Ich habe Familie gefunden. Ich habe verstanden. Ich habe mich gewöhnt. Ich habe Ordnung im Chaos gefunden. Ich habe verzichtet. Ich habe zugenommen . Ich habe abgenommen. Ich hatte Hunger. Ich hatte Durst. Wasser ist mein Lieblingsgetränk. Ich liebe dieses Land.

Was macht dieses Land für mich aus?

Indien ist Hitze. Indien ist Schweiß. Indien ist Gestank. Indien ist Müll. Indien ist Armut. Indien ist Krankheit. Indien ist Trauer. Indien ist Verlust. Indien ist Abschied. Indien hat kein Erbarmen. Indien ist Tränen. Indien ist Feuer. Indien ist Zerstörung. Indien ist Korruption.Indien ist Chaos. Indien ist ignorant. Indien ist schwierig. Indien ist gefesselt. Indien grenzt ein. Indien raubt Kreativität. Indien kennt nur einen Weg. Indien kann einfach nur Scheiße sein.

ABER

Indien ist Lachen. Indien ist Essen. Indien ist Leben. Indien ist Magie (und Maggi).Indien ist Farbe. Indien ist Vielfalt. Indien ist Liebe. Indien ist Familie. Indien ist Ehrgeiz. Indien ist Geduld. Indien ist Teilen. Indien ist Natur. Indien ist Heilung. Indien ist Schönheit. Indien ist einfach. Indien ist Entspannung. Indien ist Reichtum ohne Geld. Indien ist Strand. Indien ist Palmen. Indien ist Freiheit. Indien ist Geschwindigkeit. Indien ist im Wandel. Indien ist Kultur. Indien ist Respekt. Indien ist hilfsbereit. Indien ist niemals allein. Indien ist Freudentränen. Indien ist Suchen. Indien ist Finden. Indien ist Glaube. Indien ist Gemeinschaft. Indien ist Beistand. Indien ist Unterstützung. Indien ist zu Hause. Indien ist Glück. Indien ist Freunde. Indien ist Geniessen. Indien ist Wasser. Indien ist Licht. Indien ist ein teil von mir.

Auch wenn ihr hier sehr viel negatives lest. Ich hatte hier die beste Zeit meines Lebens, und der Abschied von Mahabs, meinen Freunden, meiner neuen Familie, meinen Hunden, und natürlich der Abschied von diesem Land, fällt mir unbeschreiblich schwer.

Ein Jahr im Ausland ist nicht nur ein Jahr meines Lebens.

Ein Jahr im Ausland ist ein ganzes Leben in nur einem Jahr.

Goodbye India, my life. I will miss you!

Am 4. Juli um 8:55 Uhr bin ich in Frankfurt. In dem zu Hause, das grade nicht mein zu Hause ist.

Arbeit macht mich glücklich

Diesen Beitrag habe ich vor c 3 Wochen geschrieben. Dann gabs jedoch Powercut und der Akku war leer bevor ich auf „publizieren“klicken konnte. Deshalb gibt es heute 2 Beiträge!

Ich halte mich heute kurz, denn in einer halben Stunde muss ich mich nach meinem wohlverdienten Wochenende wieder auf den Weg zur Arbeit machen. Ich werde reichlich Hunger mitbringen, und freue mich schon auf das Essen. Das ist nämlich  –  wie mir nach 6 Wochen Verzicht aufgefallen ist  – echt BOMBE!!

Also, ich war bzw bin ja nun wieder alleine im Projekt und dachte, dass das ganz schrecklich wird! Aber die Woche ist im Flug vergangen, und ich war sehr glücklich. Ich arbeite im Moment 6-8 Stunden am Tag. Ich unterrichte 4-9 Klasse und die Kinder sind erstaunlich gut dabei! Das liegt vielleicht daran, dass sie was bei meinem Englisch Wettbewerb gewinnen wollen! Wir kommen gut vorran und ich gehe meist mit gutem Gefühl in die Klassen. Nur einige Schüler, die neu sind, machen mir etwas Sorgen. Sie können nämlich nicht schreiben. Und das kann ich ihnen schlecht in jetzt noch 2 Wochen beibringen.

Die Nachmittage bin ich immer für 2 Stunden ins Dorf gegangen. Aus nahezu jedem Haus rennt ein Kind und klebt dann an mir dran, wie eine Klette. Aber das ist eigentlich schön 🙂 Außerdem werde ich ständig zum Chai eingeladen, was ich meist dankend annehme. Ich LIEBE diesen Tee! Dann im Projekt schaue ich noch nen kleinen Film, oder lese ein Buch und dann gibts Abendessen. Und dann ist es plötzlich 10 Uhr, der Tag ist rum und ich geh schlafen. Nur die extreme Hitze macht mir manchmal ein bisschen zu schaffen. Wenn dann auch noch Stromausfall ist, ist an Schlaf nicht zu denken.

Am Donnerstag hats jedoch geregnet, mensch, das war ein Event! Ich hab mich dermaßen gefreut und es war so schön erfrischend. Wolken sieht man inzwischen immer öfter, aber regen kaum.

Sooo, das wars erst mal. Mir geht es blendend! Aber trotzdem freue ich mich schon auf zu Hause!

Saptiyaa?

Heißt so viel wie: Hast du schon gegessen?

Die Antwort sollte nach Möglichkeit immer „ja“ heißen, wenn man nicht direkt als krank gelten möchte. Wenn man aber sagt, „Ille! Roomba passikide! “ (Nein, ich habe großen Hunger!) Dann kann man mit 99% Wahrscheinlichkeit damit rechnen, dass man innerhalb weniger Minuten etwas zu essen bekommt. Gerne von den netten Nachbarn, mit denen du 3 Mal geredet hast.

Essen ist hier wirklich wichtig. Man kann immer zu jeder Tageszeit etwas essen, und die Inder schaffen es zum Großteil ohne groß zuzunehmen, zumindest, jene Inder, die ich kenne. Reisportionen die wir bei uns zu Hause für 3 Personen kochen, verschlingt ein Inder locker, oder auch 1,5 Sarahs 😉 Ich vermisse hier überaschenderweise nichts. Ich esse schon lange keine Pasta/Pizza/Pancake usw mehr. Das einzig westliche was ich mir hin und wieder gönne ist ein Salat. Ansonsten ist mein Speiseplan meist vegetarisch, enthält Idli, Dosai, Egg-Curry, Curdreis, Sambarreis, Chapati, Spiegelei, Omelette und hin und wieder mal ein Samosa oder eine frittierte Chilli. Mein Frühstück kostet selten mehr als 40 Rupien, (ca 50 ct) Das reicht für einen Dosai, zwei Idlis und ein Spiegelei plus Tomaten-Chutney, Kokosnuss-Chutney und Sambar. Sehr lecker!

Wer sich wundert was Sambar ist: Das ist quasi eine Art Standard-Sauce, die allerlei Gemüse enthält. Das kann variieren. Ohne Gemüse heißt es dann Dhal. Da sind dann nur einige Linsen drin. Ist aber beides, sofern hausgemacht, sehr schmackhaft und ein bisschen scharf.

Idlis sind kleine Reiskuchen, die im Dampf gegahrt werden. Die Reiskörner werden zunächst gemörsert… Mit einem solchen Mörser habe ich auch schon schlechte Erfahrungen gemacht. Ich weiß nicht warum, aber bei dem riesigen Gerät in der Schule schaut so ein gestachelter Ball vorne Raus. Während dem PowerCut habe ich davor gesessen und Eier geschält. Plötzlich ging der Strom wieder an, das Gerät fängt an zu arbeiten, mein Oberteil verfängt sich und wird reingezogen. Hätten wir nicht schnell gehandelt, hätte sich diese Stachelkugel einfach in meinen Hüftspeck gefressen!

Dosai sind so etwas wie Pfannkuchen, die aus dem selben Reis+Wasser-Gemisch wie Idli gemacht werden. Und sie sind lecker! Masala Dosai sind noch mit Kartoffeln gefüllt. Eines meiner absoluten Leibgerichte!

Warum ich das alles schreibe? Naja, ich habe Ferien und meine Reisepläne fallen soweit ins Wasser… Die Frage ist: WARUM???

Tja, meine Visa Card hat den Geist aufgegeben. Der Magnetstreifen ist kaputt, und ich habe meinen Eltern versprochen , ohne Karte nicht zu reisen. Naja, neue Karte ist bestellt, aber wer weiß wann die hier ankommt 😦 Wenn sie früh genug kommt, will ich auf jeden Fall noch nach Mysore und Hampi. Dann lasse ich Strand und Gebirge erst mal aussen vor, und begebe mich in das bunte Treiben der historischen Tempelstädte! Aber das steht alles noch in den Sternen!

Auf jeden Fall passiert im Moment hier so gut wie gar nichts, deshalb muss ich mir ein paar neue Ziele setzen! Da es mit meinem Tamil nicht so gut vorran geht lerne ich jetzt im Internet Spanisch. Außerdem fange ich an 50 bunte Papiervögel zu basteln, die ich den Kindern zum Abschied schenken möchte. Ich plane auch noch ein paar kleine Aktionen in der Schule. Das Material was ich habe, Fingerpuppen, Handpuppen, Perlen, bunte Papiere, kleine Englischbücher usw. werde ich natürlich nicht mit nach Deutschland bringen. Ich möchte also einen kleinen Wettbewerb im Rahmen meines Unterrichts starten, damit die Kinder ein bisschen mehr Motivation haben zu lernen. Außerdem will ich von jedem Kind einen Steckbrief anfertigen, auch für die Schule, damit die auch über die Hintergründe und Verhaltensaufälligkeiten einen Überlick haben.

Sobald meine neue Karte da ist, werde ich auch eine Menge Presente für euch lieben in Deutschland kaufen und verschicken. Ich weiß auch schon wer was bekommt. Für Heidi, für Christiane, für Thomas, für Lara, für Julia, für die Eltern, die Großeltern, die Tante/Onkel/Cousin und, und, und. Und für mich natürlich 😀 Ach, das wird ein herrlich buntes Paket. Habe mir extra den Karton vom letzten Päkchen aus DE aufbewahrt 😀

Ich lade jetzt noch ein paar Bilder hoch, da das Internet grade so gut funktioniert!

Ich freue mich schon auf zu Hause! ❤

Ferien!

Seit etwas mehr als einer Woche habe ich nun Ferien, und das letzte Mal, dass ich ich gemeldet habe ist nun auch schon etwas länger her. Es wird also Zeit.
Ich werde in naher Zukunft, je nachdem wie lange das WIFI heute mitmacht, zwei neue Seiten erstellen. Eine Seite zum Thema Reisen und eine Seite zum Thema Hundebabys, von denen ich nun zwei adoptiert habe! Heute schreibe ich hier über die letzten Schultage, die Wahlen, meine Sprachverwirrung derzeit und vielleicht auch ein paar Gedanken zum Thema FSJ, die ich mir eigentlich erst nach Abschluss machen sollte. Aber fange ich doch lieber vorne an!

Die letzten Schultage waren entspannt und mehr  oder weniger nutzlos. Die Kinder hatten keinen Unterricht mehr und haben nur noch für die Anstehenden Prüfungen gelernt. Wenn wir uns zu ihnen setzen, lenken wir sie ab, wenn wir es nicht tun, haben wir keine Arbeit. Zur selben Zeit war der Wahlkampf hier voll im Gang. Als es dann Zeit für die erste Prüfung war, kam die große Überraschung. Die Regierung, die auch die Prüfungstermine festlegt, hatte schlicht und einfach beschlossen, am Prüfungstag ein Training für Lehrer anzubieten. Und ohne Leher können natürlich keine Prüfungen gescchrieben werden! Natürlich kenne ich mich damit nicht aus, aber ich muss doch davon ausgehen, dass dieser Termin noch nicht lange feststand, da niemand darüber informiert wurde.

Ich stelle mir das Szenario also so vor: Die Regierung hat die Prüfungstermine schlicht und einfach vergessen. Die führenden Parteioberhäupter treffen sich Abends auf einen Whiskey und überlegen sich, wie sie noch Wähler gewinnen können. Sie kommen auf die Idee direkt 2 Tage später ein Training für Lehrer anzubieten. Am Morgen der Prüfungen oder vielleicht auch am Abend davor finden alle Lehrer des Landes eine Einladung zu eben diesem Treffen. Sie schmeißen schnell 2 Unterhosen und ein Tshirt sowie eine Zahnbürste in einen Rucksack, und los gehts. Der Regierung fällt leider zu spät auf, dass somit keine Prüfungen stattfinden und veranlassen am Morgen der Prüfung eine Radiorundansage, um die Schuldirektoren zu unterrichten. Der selbe Fehler geschieht noch ein 2. Mal, diesmal mit der letzten Prüfung, die auf den letzten Schultag gelegt worden war. Aber, MACHT JA NICHTS!! Dann gehen die Kinder eben noch einen Tag länger in die Schule. Doof nur, wenn die Eltern der Hostel-Kinder schon auf dem Weg zur Schule sind, und sich den Bus eh schon kaum leisten können, geschweige denn ein Handy… Naja, die einzige Erklärung, die ich mir ausdenken kann ist die, dass die Änderungen sehr wohl vorzeitig angekündigt wurden, nur den Schülern aus Motivationsgründen vorenthalten wurde. Und uns, damit wir es nicht auspaudern… Aber das ist auch nicht die feine Art.

Aber am vorletzten Tag waren die Kinder trotzdem glücklich. Nadine hatte sich zwar am Wochenende zuvor verabschiedet, was mir den Aufenthalt nicht leichter, aber auch nicht wirklich schwerer macht, aber es herrschte trotzdem eine gute Stimmung. Ich fange an, ALLE Kinder ins Herz zu schließen. Die Hitze schweisst uns zusammen.

Naja, dann noch ein paar erschreckende Fakten zum Wahlkampf. Ich bin offen, und sage, ich verstehe nicht viel von Politik. Aber sowas…

Am Donnerstag, 24.4.14 war es soweit, die Inder können ihre Stimmen abgeben. Jeder, egal wie reich oder arm. Hat sich fuer die Armen besonders gelohnt. Jede Partei bietet ihnen bis zu 500 Rupien, womit man mehrere Tage gut leben kann, und ein Mittagessen an. Man kauft sich also einfach seine Stimmen. Da lohnt es sich auch die Armen arm zu halten, wenn man sie mit ein bisschen Geld dazu bewegen kann sie wieder und wieder zu wählen. Und sie arbeiten auch noch für einen! Denn wenn man sich für 200 Rupien einen ganzen Tag in eine mit Fahnen geschmueckte Rikksha setzt, aus deren Lautsprechern laut die Parolen der partei dröhnen… Na, dass zeigt doch den Leuten, dass man viele Anhänger hat und wählenswert ist, oder nicht?

Für mich ist das alles total surreal. Auch dass an besagtem Election-Day, alle Inder weisse Hemden und dunkle Hosen getragen haben, und knapp 3 Stunden in einer Schlange stehen mussten… Aber was kann man tun. Meine lokalen Freunde sind wenigstens auch der Meinung, dass nicht die beste Partei für das Land, sondern die Partei, die am meisten Geld ausgibt, gewinnt.

Auf all diese Angaben ist natürlich keine Gewähr, sie entsprechen meiner subjektiven Wahrnehmung.

Dann zu meinen Gedanken… Ich habe gerechnet, und errechnet, dass ich noch exakt 15 Tage im Projekt sein werde, und bin noch etwas mehr als 2 Monate hier im Lande. Ich freue mich auf zu Hause, habe aber auch langsam Angst. Ich habe hier Dinge gefunden, Freundschaften und Ansichten, die ich nicht vermissen möchte. Ich möchte meine Freunde nicht verlieren, und auch nicht die Palmen am Straßßenrand. Oder das Essen. Oder diese Unbekümmertheit. Deutschland ist voll von Erinnerungen, die aber immer mehr in den Hintergrund rücken. Ich kann mir nicht mehr vorstellen jeden Morgen Latte Macchiato zu trinken,  während ich mein Toast esse und fernsehe. Und dann in kurzen, knappen Klamotten zum Inliner fahren? Ich sehne mich danach, will es aber auch herrauszögern. Denn im Moment wache ich morgends auf, gehe mit meinen beiden Welpen zum Strand, und kühle meine Füße. Anschließend gehe ich zum Tea Shop, wo ich immer ein freundliches, gut bekanntes Gesicht treffe. Dort gibt es Tee und Idli, und eine 2 Liter Flasche kaltes Wasser.  Und so geht der Tag dann weiter. Wenig Stress und viel Lachen.  Verschiedene Stationen wie Guesthäuser und Restaurants und Strand gehe ich mehrmals am Tag ab. Die Welpen natürlich immer mit dabei. Sie haben jetzt auch hier ihre eigene Seite!

Aber habe ich erreicht, was ich erreichen wollte? Was wollte ich erreichen? Ich wusste ja, dass meine Erfolge nur winzig sein würden… Aber welche Erfolge? Die Kinder vergessen alles, was man ihnen beibringt. Und dann haben sie uns letztens noch bestohlen…
NEIN, ich bin nicht enttäuscht von mir. Es läuft alles anders als gedacht, ja, aber es läut auch anders gut. Ich gebe den Kindern halt, und sie können mir Vertrauen. Ich bin ein Vorbild, und zeige ihnen immer wieder wo ihre Stärken sind. Ich kann ihnen Helfen! Ich kann ihnen helfen, nicht aufzugeben. Und das macht mich glücklich!

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Baby-Alarm!!

BABY-ALARM

Nein, nicht bei mir! Was denkt ihr bitte von mir?!?!

Aber vor ein paar Wochen ist uns aufgeffalen, dass meine Lieblingshündin schwanger ist. Und heute kamen mindestens 4 Babys zur Welt! Und ich habe es life miterlebt. Schon was Besonderes. Ich hoffe nur die Kleinen überleben. Großartig gekümmert wird sich von den Menschen drum herum ja nicht 😦 Aber ich habe einem Kind aufgetragen, der frisch gebackenen Mama einmal die Stunde Wasser zu bringen 🙂 Theresa ist genauso Hunde-vernarrt wie ich. Ich will später unbedingt einen haben… ABer natürlich nur mit Garten… und wenn ich die Zeit habe. dauert wohl noch etwas.

Mein typischer indischer Wochenablauf

Seitdem Nadine da ist, hat sich so einiges geändert. Zumindest was meinen Arbeitsablauf angeht. Der Stundenplan, den mir der Headmaster zu Anfang gegeben hat, hat sich nämlich ständig mit den Stunden anderer Lehrer überschnitten, weshalb wir Diesen nun verworfen haben.

Stattdessen haben wir uns die Stundenpläne der Kinder selbst mal angeschaut und schnell begriffen, dass wir jeden Tag in der 1. Stunde zur 7. Klasse, und in der 2. Stunde zur 8. Klasse gehen können, um dort Englisch zu unterrichten. Wir haben den Kindern nun schon beigebracht ihre Gefühle auszudrücken ( mit Wort UND Tat), sie können nun die Uhr lesen und im Moment arbeiten wir sehr hart daran ihnen verständlich zu machen, wie man korrekt die position eines Gegenstandes angibt. Also auf, unter, über, vor, hinter, rechts, links, zwischen und sowas. Wir malen dabei immer viel an, lassen die Kinder zur Tafel kommen, sie müssen selbst Fragen vormulieren und Gegenstände positionieren. Als wir mit dem Unterricht begonnen haben, hieß es noch oft: “ No english! Please! Games!“ Aber das haben wir jetzt seit 2 Wochen nicht mehr gehört. Die Kinder sind auch endlich relativ ruhig, bleiben sitzen und haben uns während der Schulzeit als ihre Lehrerinnen akzeptiert. Das ist ein wirklich gutes Gefühl!

Anschließend gehen wir ein bisschen in die Kindergartengruppe, und spielen Spiele mit den Kindern. Und lehren ganz nebenbei auch Englisch 😉 Vor der Mittagspause gehts dann meistens noch in die Küche, zum Eier schälen oder Gemüse schnippeln. Dabei haben wir immer sehr viel Spaß, weil wir auch ein bisschen mit den Frauen rumschäkern ! Die sind einfach zu goldig!

Am Nachmittag sind dann alle Lehrer ganz motiviert und alle Klassen sind voll. Manchmal können wir eine Klasse in die Bibliothek entführen, aber das ist eher die Seltenheit. Daher machen wir erst mal einen kleinen Mittagsschlaf, gehen noch mal in den Kindergarten und helfen den Frauen erneut in der Küche.

Mein Höhepunkt ist immer die Chai-Pause um 15 Uhr!

Wenn die Schule dann aus ist, machen Nadine und ich meistens spontan irgendwas. Wäsche waschen, duschen, aufräumen, einen Spaziergang ins Dorf, uns mit den Kindern beschäftigen, mit den Frauen unterhalten und was sonst noch so ansteht. Um 21 Uhr gibt es dann Abendessen, und das war’s dann auch. Ab ins Bett, vielleicht noch etwas lesen, oder den Anfang – bzw. das Ende – eines Filmes schauen, schlafen, und das ganze geht von vorne los.

Nächste Woche sollen wir allerdings theoretisch eine vernünftige work schedule bekommen, mal schauen was kommt.

Am Wochenende geht es dann immer nach Mahabs, wie vermutet ist Nadine genauso verliebt in den Ort wie ich. Aber ich esse nun auch hier fast ausschließlich indisch. Mir ist die Lust auf Sandwich und CO vergangen 😀

Außerdem hatte ich letzte Woche mein Half-Stay-Seminar. Es war schön, ich habe neue Ideen für das Projekt und neue Motivtion bekommen, ein sehr entspanntes 2,5 Stunden langes Gespräch mit meiner Koordinatorin über Gott und die Welt, Kinder Schokobon und Bueno, leckeres Essen und eine tolle Zeit. Und ich kann nicht fassen, dass es in 5 Monaten schon zurück gehen wird!

Achso, mein Laptop ist wieder repariert, von daher kann ich nun ein paar Fotos hochladen!

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