Ferien!

Seit etwas mehr als einer Woche habe ich nun Ferien, und das letzte Mal, dass ich ich gemeldet habe ist nun auch schon etwas länger her. Es wird also Zeit.
Ich werde in naher Zukunft, je nachdem wie lange das WIFI heute mitmacht, zwei neue Seiten erstellen. Eine Seite zum Thema Reisen und eine Seite zum Thema Hundebabys, von denen ich nun zwei adoptiert habe! Heute schreibe ich hier über die letzten Schultage, die Wahlen, meine Sprachverwirrung derzeit und vielleicht auch ein paar Gedanken zum Thema FSJ, die ich mir eigentlich erst nach Abschluss machen sollte. Aber fange ich doch lieber vorne an!

Die letzten Schultage waren entspannt und mehr  oder weniger nutzlos. Die Kinder hatten keinen Unterricht mehr und haben nur noch für die Anstehenden Prüfungen gelernt. Wenn wir uns zu ihnen setzen, lenken wir sie ab, wenn wir es nicht tun, haben wir keine Arbeit. Zur selben Zeit war der Wahlkampf hier voll im Gang. Als es dann Zeit für die erste Prüfung war, kam die große Überraschung. Die Regierung, die auch die Prüfungstermine festlegt, hatte schlicht und einfach beschlossen, am Prüfungstag ein Training für Lehrer anzubieten. Und ohne Leher können natürlich keine Prüfungen gescchrieben werden! Natürlich kenne ich mich damit nicht aus, aber ich muss doch davon ausgehen, dass dieser Termin noch nicht lange feststand, da niemand darüber informiert wurde.

Ich stelle mir das Szenario also so vor: Die Regierung hat die Prüfungstermine schlicht und einfach vergessen. Die führenden Parteioberhäupter treffen sich Abends auf einen Whiskey und überlegen sich, wie sie noch Wähler gewinnen können. Sie kommen auf die Idee direkt 2 Tage später ein Training für Lehrer anzubieten. Am Morgen der Prüfungen oder vielleicht auch am Abend davor finden alle Lehrer des Landes eine Einladung zu eben diesem Treffen. Sie schmeißen schnell 2 Unterhosen und ein Tshirt sowie eine Zahnbürste in einen Rucksack, und los gehts. Der Regierung fällt leider zu spät auf, dass somit keine Prüfungen stattfinden und veranlassen am Morgen der Prüfung eine Radiorundansage, um die Schuldirektoren zu unterrichten. Der selbe Fehler geschieht noch ein 2. Mal, diesmal mit der letzten Prüfung, die auf den letzten Schultag gelegt worden war. Aber, MACHT JA NICHTS!! Dann gehen die Kinder eben noch einen Tag länger in die Schule. Doof nur, wenn die Eltern der Hostel-Kinder schon auf dem Weg zur Schule sind, und sich den Bus eh schon kaum leisten können, geschweige denn ein Handy… Naja, die einzige Erklärung, die ich mir ausdenken kann ist die, dass die Änderungen sehr wohl vorzeitig angekündigt wurden, nur den Schülern aus Motivationsgründen vorenthalten wurde. Und uns, damit wir es nicht auspaudern… Aber das ist auch nicht die feine Art.

Aber am vorletzten Tag waren die Kinder trotzdem glücklich. Nadine hatte sich zwar am Wochenende zuvor verabschiedet, was mir den Aufenthalt nicht leichter, aber auch nicht wirklich schwerer macht, aber es herrschte trotzdem eine gute Stimmung. Ich fange an, ALLE Kinder ins Herz zu schließen. Die Hitze schweisst uns zusammen.

Naja, dann noch ein paar erschreckende Fakten zum Wahlkampf. Ich bin offen, und sage, ich verstehe nicht viel von Politik. Aber sowas…

Am Donnerstag, 24.4.14 war es soweit, die Inder können ihre Stimmen abgeben. Jeder, egal wie reich oder arm. Hat sich fuer die Armen besonders gelohnt. Jede Partei bietet ihnen bis zu 500 Rupien, womit man mehrere Tage gut leben kann, und ein Mittagessen an. Man kauft sich also einfach seine Stimmen. Da lohnt es sich auch die Armen arm zu halten, wenn man sie mit ein bisschen Geld dazu bewegen kann sie wieder und wieder zu wählen. Und sie arbeiten auch noch für einen! Denn wenn man sich für 200 Rupien einen ganzen Tag in eine mit Fahnen geschmueckte Rikksha setzt, aus deren Lautsprechern laut die Parolen der partei dröhnen… Na, dass zeigt doch den Leuten, dass man viele Anhänger hat und wählenswert ist, oder nicht?

Für mich ist das alles total surreal. Auch dass an besagtem Election-Day, alle Inder weisse Hemden und dunkle Hosen getragen haben, und knapp 3 Stunden in einer Schlange stehen mussten… Aber was kann man tun. Meine lokalen Freunde sind wenigstens auch der Meinung, dass nicht die beste Partei für das Land, sondern die Partei, die am meisten Geld ausgibt, gewinnt.

Auf all diese Angaben ist natürlich keine Gewähr, sie entsprechen meiner subjektiven Wahrnehmung.

Dann zu meinen Gedanken… Ich habe gerechnet, und errechnet, dass ich noch exakt 15 Tage im Projekt sein werde, und bin noch etwas mehr als 2 Monate hier im Lande. Ich freue mich auf zu Hause, habe aber auch langsam Angst. Ich habe hier Dinge gefunden, Freundschaften und Ansichten, die ich nicht vermissen möchte. Ich möchte meine Freunde nicht verlieren, und auch nicht die Palmen am Straßßenrand. Oder das Essen. Oder diese Unbekümmertheit. Deutschland ist voll von Erinnerungen, die aber immer mehr in den Hintergrund rücken. Ich kann mir nicht mehr vorstellen jeden Morgen Latte Macchiato zu trinken,  während ich mein Toast esse und fernsehe. Und dann in kurzen, knappen Klamotten zum Inliner fahren? Ich sehne mich danach, will es aber auch herrauszögern. Denn im Moment wache ich morgends auf, gehe mit meinen beiden Welpen zum Strand, und kühle meine Füße. Anschließend gehe ich zum Tea Shop, wo ich immer ein freundliches, gut bekanntes Gesicht treffe. Dort gibt es Tee und Idli, und eine 2 Liter Flasche kaltes Wasser.  Und so geht der Tag dann weiter. Wenig Stress und viel Lachen.  Verschiedene Stationen wie Guesthäuser und Restaurants und Strand gehe ich mehrmals am Tag ab. Die Welpen natürlich immer mit dabei. Sie haben jetzt auch hier ihre eigene Seite!

Aber habe ich erreicht, was ich erreichen wollte? Was wollte ich erreichen? Ich wusste ja, dass meine Erfolge nur winzig sein würden… Aber welche Erfolge? Die Kinder vergessen alles, was man ihnen beibringt. Und dann haben sie uns letztens noch bestohlen…
NEIN, ich bin nicht enttäuscht von mir. Es läuft alles anders als gedacht, ja, aber es läut auch anders gut. Ich gebe den Kindern halt, und sie können mir Vertrauen. Ich bin ein Vorbild, und zeige ihnen immer wieder wo ihre Stärken sind. Ich kann ihnen Helfen! Ich kann ihnen helfen, nicht aufzugeben. Und das macht mich glücklich!

P1030995

 

 

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