Ein ganz normaler Tag in Indien…

Es ist mal wieder Zeit für einen Exkurs in die indische Normalität.

Morgends stehe ich um 7:50Uhr auf, ziehe mich an (hier noch Haremshose un T-Shirt), kämme mir die Haare, werfe mir etwas Wasser ins Gesicht, trinke den letzten Schluck Trinkwasser, und verlasse das Zimmer. Aber nicht um zur Arbeit zu gehen, sondern um Essen zu holen. Das Essen kommt eigentlich um 8Uhr vors Tor. Leider ist Anna (Tamil für Bruder) immer zu spät, mal 10 Minuten, mal 40 Minuten. Aber man weiß ja nie, deshalb bin ich immer pünktlich.

Normalität Nummer 1: Inder sind prinzipiell zu spät.

Dann kommt der Man barfuß angedackelt, traut sich nicht den Blick zu heben und entschuldigt sich 20000 Mal. Es gibt Idli (Reisklumpen) und Pongal (Reismatsche). Pongal finde ich widerlich, wir hatten auch mal Puri (Fladen und Kartoffel-püree-sauce), das war richtig gut. Wieso bekommen wir es nicht noch mal?

Ich gehe wieder zum Zimmer, lege mich die übrige Zeit wieder schlafen, stehe auf, ziehe meine indischen Klamotten an und um 8:45 Uhr kommt der Schulbus.

Normalität Nummer 2: Der Bus fällt bald auseinander und ist zu spät. Oder zu früh.

Der Bus setzt uns in der Schule ab. Wir können jetzt frühstücken.

Normalität Nummer 3: Man isst mit der rechten Hand und das Essen ist in Palmblättern und Zeitung verpackt. Chutney gibts in Plastiktüten.

Der Unterricht beginnt nach dem Prayer. Alle Kinder versammeln sich draußen, marschieren ein wie eine kleine Armee, sprechen ein Gebet im Chor und singen die ein oder andere Hymne. Dann geht der Unterricht los. Ich folge einer Lehrerin, verstehe kein Wort. Die Lehrer verlassen ständig den Raum um irgendwas anderes zu machen, manchmal für eine ganze Stunde. Dann habe ich 20 Kinder um mich herum, die mir ihre Sticker und Zeichnungen zeigen, oder fragen wie ein englisches Wort ausgesprochen wird. Was es bedeutet fragen sie nie.

Normalität Nummer 4: Die Schule ist nicht aufs „Verstehen“ aus

Meine Pause verbringe ich auf meinem geliebten Dach.Der Pongal kann mich mal! Ich hab mein Dach!

Nach der Schule gehts nach Hause. Erst mal ein bisschen laufen, vorbei an Müll, Hunden, Ziegen und Kühen, sowie einigen Tempel-to-go…

Normalität Nummer 5: Schmutz und Müll

Wir erreichen einen Shop, in dem man Samosa, kalte Pepsi und Kekse kaufen kann. Viel besser als Pongal! Überall sind Fliegen und Ameisen.Mein täglich Brot

Normailtät Nummer 6: Fliegen und Ameisen überall wo es Esse gibt. Ich esse es trotzdem!

Mein Müll kommt auf den Müllhaufen vor dem Shop. P1000387

Uns laufen Kinder über den Weg, sie sind fasziniert und irgendwie ängstlich. Sie halten mir mal wieder vor Augen, dass ich optisch hier nicht hinpasse…

Normalität Nummer 7: Ich bin eine Attraktion!Lost

Dann gehts im Bus zurück nach Hause. Es ist 18 Uhr. Ich gehe duschen, höre ein bisschen Musik, warte ab 19:30Uhr für unbestimmte Zeit auf Anna(Bruder). Es gibt Fried Rice oder Chapati. Das ist beides super lecker, ich freue mich sogar richtig drauf. Dann höre ich noch etwas Musik, lese, schreibe hier und da etwas, wasche Wäsche, skype eventuell noch. Und gehe schlafen. Tag Ende.

PS: Theoretisch gibt es zu jeder Normalität ein Foto… Aber im Moment gibts Probleme mit meiner Speicherkarte 😦

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2 Kommentare zu “Ein ganz normaler Tag in Indien…”

  1. Ohhhh genial – das war mal wieder ein sehr informativer, toll geschilderter Beitrag von dir !! Danke ! Was hat die Speicherkarte denn ?

  2. Schön dass es dir gut geht, hatte so meine bedenken aber du bist ja gut angekommen und hast dich ja anscheinend schon gut eingelebt. Freut mich!
    Liebe Grüsse Sven

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