Im Auto von Chennai nach Kellambakkam – eine Traumreise

Ich möchte euch mal berichten, wie es hier so im indischen STRAßENVERKEHR so zugeht!

Bitte stellt den Phantasieschalter nun auf an!

Im Auto von Chennai nach Kellambakkam – eine Traumreise

Stell dir vor, du stehst auf den schmutzigsten und stinkendsten Straßen der Welt, alles ist laut, alles hupt, du verlierst den Überblick, bist verloren, das Überqueren der Straße scheint unmöglich. Plötzlich hält neben dir das kleine, weiße Auto von Sanjiv, dem sogenannten „Chennai-Daddy“. Sanjiv ist 25 Jahre alt, und die anderen Freiwilligen lernten ihn vor einigen Wochen kennen und lieben. Er lässt uns Alle unsere Wochenenden bei ihm wohnen, schlafen und kochen, spielt auch gerne mal den Fahrer und ist immer für uns da. Du steigst also in sein Auto ein, schließt die Tür und bist augenblicklich umgeben von ruhiger Musik auf Tamil, es ist kühl und der Lärm und Schmutz von draußen ist vergessen. Du wirst automatisch entspannter, und beginnst zu verstehen, wie die verrückten Inder den Straßenverkehr überblicken. Trotzdem freust du dich, dass du nicht selbst fahren musst. Du richtest den Blick nach vorne und ENDLICH kannst du ganz relax das Treiben um dich herum betrachten. Das Auto setzt sich in Bewegung. Rechts und links brausen Rikschas an dir vorbei, eine davon leer, vielleicht auf dem Weg zu einem Passagier. Die andere ist voll besetzt, 7 Inderinnen hocken in dem winzigen Raum, der eigentlich mit 3 Personen schon gut gefüllt ist. Sie tragen bunte Saris und starren alle nach vorne. 5 Meter vor dir siehst du ein Motorrad, auf dem eine ganze indische Familie Platz gefunden hat. Die kleinste Tochter sitzt vor dem Fahrenden Papa, dahinter der ältere Sohn und zu letzt auch die Frau. Natürlich trägt keiner von ihnen einen Helm.

Plötzlich hupt es weniger Zentimeter neben deinem Ohr, ein vollgestopfter Bus zieht in deine Spur, höchstens 3cm am Spiegel vorbei. Aber Sanjiv verzieht keine Miene, er ist total gelassen. Er überholt einige bunt gestrichene Lorries (LKWs) die wirklich sehr hübsch aussehen. Du fragst dich, wieso die in Deutschland wohl nicht so sind… Einer von ihnen ist oben und hinten offen, er hat Reis geladen, und 5 Männer haben es sich auf den Reissäcken bequem gemacht und genießen von dort aus die Reise.

Du hältst an einer Ampel, fährst so weit vor wie irgend möglich, neben dir steht eine Kuh mit blau angemalten Hörnern und macht ganz in Ruhe ihr Geschäft. Überall siehst du Straßenhunde, viele davon so dünn, dass sie kurz vorm verhungern sein müssen. Am Straßenrand türmen sich Berge aus Schlamm, Staub, Müll und möglicherweise auch ehemals Lebendigen Dingen. Die Ampel wird grün. Alles hupt, alles fährt kreuz und quer, ein Fahrradfahrer will abbiegen und gerät dabei fast unter einen Bus. Die Kuh von eben steht immer noch entspannt an Ort und Stelle.

Du fährst eine Weile lang staunend durch die Gegend, an zahlreichen Tempeln, Baustellen, Slums, Skybreakers, Kühen, Hunden, Hühnern und Menschen die am Straßenrand schlafen vorbei. Dann entdeckst du 3 Meter neben dir den ersten Ochsenkarren deines Lebens. Du wusstest vorher nicht, dass diese Tiere ca 2 Meter groß sind und 1 Meter lange Hörner auf dem Kopf tragen. Als würde der Karren voller frischer, grüner Bananen nichts wiegen, trabt er dahin.

Die Musik macht müde. Auf deinem Weg siehst du nun noch riesige Lichtgebilde die hinduistische Götter darstellen, Menschen, die Fisch auf dem Boden verkaufen und noch um die 3000 Kühe. Du fängst an, ein System in dem Chaos zu sehen. Man hupt zum Beispiel immer, wenn man jemanden überholt, oder wenn man um eine Kurve/Ecke fährt, um andere Autofahrer zu warnen. Busse haben verschiedene Hupen, eine Normale und eine für Notfälle. LKWs haben Hupen, die eine Melodie haben. Wenn jemand hinter dir hupt, dann weichst du nach links aus, Motorräder fahren meistens auf der linken Seite der Straße. Und so weiter. Und plötzlich bist du angekommen. Du öffnest die Tür des klimatisierten Autos und läufst gegen eine Wand aus Hitze, Staub und Gestank. Du bedankst dich noch bei Sanjiv, der dich zum Abschied drückt, und gehst auf dein Zimmer, du freust dich, dass du endlich wohlbehalten angekommen bist. Der Watchman öffnet dir das Tor zur neuen Heimat und du kannst durchatmen. Du riechst Urin und indische Gewürze.

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Ein Kommentar zu “Im Auto von Chennai nach Kellambakkam – eine Traumreise”

  1. Hallo Sarah,
    eine spannende Schilderung des indischen Verkehrs. Interessieren würde mich allerdings auch, wie es mit deinem Projekt weitergeht! Musst du immer noch ungewollt pausieren? Ich warte gespannt auf deinen nächsten Bericht!

    Omma

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